Contemporary Music

Kleiner Mann ganz groß!

Little Steven alias Steven Van Zandt spielte in Bruce Springsteens Band, den Serien „The Sopranos“ und „Lilyhammer“, ist Produzent, Radiomoderator und Solomusiker. Doch Rock’n’Roll, findet der 67-jährige Steven van Zandt, gehört eigentlich in den Untergrund. Und in die Schule!

Verena Reygers: Steven, wie fühlt sich das an, eine lebende Legende zu sein?

Steven Van Zandt (lacht): Ich bin eigentlich nur der Typ aus der Arbeiterklasse, der morgens zur Arbeit geht und schaut, was der Tag bringt.

Verena Reygers: Unter anderem neues Material als Musiker. Du hast vergangenes Jahr nach zehn Jahren Pause dein Album „Soulfire“ veröffentlicht, mit dem du jetzt auch auf Tour kommst …

Steven Van Zandt: Ja, zusammen mit einer großartigen Band. Wir spielen alles von Blues bis Soul, von Doo Wop bis Rock’n’Roll, aber auch Salsa und cineastische Sounds. All die Stile, die das Gesamtkunstwerk Rockmusik ausmachen.

Verena Reygers: Also ist Rock’n’Roll nicht tot?

Steven Van Zandt (lacht): Rock ist nicht länger Mainstream, das stimmt, aber so wie er in den 50er Jahren im Underground angefangen hat, ist er nun dorthin zurückgekehrt. Und da gehört er auch hin. Trotzdem ist er nach wie vor wichtig und vor allem live noch immer präsent. Schließlich füllen die Rolling Stones die Arenen auf der ganzen Welt.

Verena Reygers: Hast du denn einen Tipp an angehende Rockstars, wie sie die nächsten Rolling Stones oder der nächste Little Steven werden können?

Steven Van Zandt: Das Wichtigste ist, die Messlatte so hoch wie möglich zu hängen: Orientiere dich an den Besten. Geh zurück in die 50er und 60er, wo alles begonnen hat, egal, in welchem Genre du dich verortest. Wir müssen die Kids zurück zu den Wurzeln bringen.

Verena Reygers: Kümmerst du dich deshalb mit deiner Organisation „Rock and Roll Forever Foundation“ und dem Programm „Teach Rock“ darum, das Fach „Rockmusik“ im Lehrplan von Schulen zu etablieren?

Steven Van Zandt: Absolut! Mit unserer aktuellen Tour wollen wir Lehrer konkret unterstützen: Unsere Mitarbeiter zeigen ihnen, wie sie den Schülern die Geschichte des Rock’n’Roll näher bringen können. Wir laden Lehrer ein, nachmittags an einem unserer Workshops teilzunehmen und abends unsere Show zu besuchen. Wir haben die Verpflichtung, diese großartige und relevante Zeit, in der wir aufgewachsen sind, in Erinnerung zu behalten, und wollen sichergehen, dass die jüngere Generation einen Zugang zu dieser Epoche findet. Und wir wollen die Lehrer ehren, denn in den USA fehlt es ihnen an Anerkennung und gerechter Bezahlung. Statt weitere 30 Millionen Dollar ins Militär zu stecken, sollte der Staat lieber in seine Lehrer investieren.

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