Contemporary Music

Madsen: Panikrocker!

Schon auf ihrem Debüt sangen Madsen von Panik, doch erst zehn Jahre später wurde sie für Sänger Sebastian zum Problem. Seine Lösung: die Farbe Orange.

Ellen Stickel: Sebastian, Sascha, für euer voriges Album „Kompass“ habt ihr bewusst alle Regler auf Null gedreht – wie war es diesmal?

Sebastian Madsen: Mit „Kompass“ fiel auch direkt der Startschuss für das neue Album, denn während der Promophase hatte ich auf einmal Panikattacken und zum ersten Mal so ein Gefühl von: Willst du das wirklich machen? Sänger zu sein ist hart. Man merkt es nur nicht, weil es Spaß macht. Und es hörte dann auf, mir Spaß zu machen. Nicht das Musikmachen an sich, aber das In-der Öffentlichkeit-Stehen. Also mussten wir wieder zurück auf Null.

Ellen Stickel: Wie hast du die Panik überwunden?

Sascha Madsen: Sebastian hat angefangen, mit anderen Künstlern darüber zu reden, und hat schnell gemerkt, dass er nicht der einzige ist, dem das so geht.

Sebastian Madsen: Man kommt sich halt zunächst vor wie ein Außerirdischer und denkt: Ich bin hier gerade die Bruchstelle und gehe allen auf die Nerven. Da ist es gut, sich zu öffnen, sich nicht zu schade zu sein. Und ein befreundeter Musiker gab mir einen guten Tipp: Wenn du merkst, dass sich die Panik anbahnt und das Herz zu rasen beginnt, dann versuch, an eine Zeit zu denken, in der du keine Termine hattest, wo der Sommer noch orange war.

 

 

Ellen Stickel: Zieht sich die Sehnsucht deshalb wie ein roter Faden durch das Album?

Sebastian Madsen: Sehnsucht und Fernweh fühlt man einfach, wenn man auf dem Land aufgewachsen sind, das trägt man immer mit sich.

Ellen Stickel: Also noch keine Midlife-Crisis?

Sebastian Madsen: Gib uns noch zwei, drei Alben, dann vielleicht … (lacht)

Ellen Stickel: Punkbands freuen sich über die derzeitige Weltlage, weil es viel zum Auskotzen gibt – das war für euch offenbar kein Weg.

Sascha Madsen: Nein. (lacht) Es ist wichtig, dass es diese Punkbands gibt, aber Auskotzen ist nicht unsere Intention.

Sebastian Madsen: Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn mir dazu was Gescheites einfallen würde. Aber das ist einfach nicht meine Baustelle, das klingt dann wie Reinhard Mey. Ich bewundere Bands wie Feine Sahne Fischfilet, für mich die derzeit wichtigste deutsche Band. Die sitzen genau da, wo es brennt, und halten die Fahne hoch. In unseren Texten geht es zwar auch um das Reindenken, das Mitfühlen, den Sinn für Gerechtigkeit. Aber der politische Direktangriff liegt mir nicht.

Madsen „Lichtjahre“ erscheint bei Arising Empire/Warner.

FESTIVALS

14. 6. Porta Hoch 3

23. 6. Hurricane

24. 6. Southside

27.–29. 7. Eier Mit Speck

17.–19. 8. Hütte Rockt

25. 8. Rock am Beckenrand

Leseempfehlung