Contemporary Music

Wingenfelder: Dichte Denker

Zehn Jahre nach dem Aus von Fury In The Slaughterhouse touren die Brüder Wingenfelder doch wieder mit Hannovers größter Rockband – und schreiben nebenbei deutsche Songs mit Ballermann-Potenzial.

Offiziell haben sich Fury In The Slaughterhouse 2008 aufgelöst, doch aufgrund der großen Nachfrage wurde aus einem kurzen Bühnencomeback jüngst eine ausgedehnte Tour. Was wahrscheinlich nur wenige der zahlreichen Fans wissen, die der Hannoveraner Rockband im letzten Jahr zujubelten: Nebenbei haben die Brüder und Bandgründer Kai und Thorsten Wingenfelder ein ganzes Album geschrieben, ihr viertes als Duo. „Das Album ist keine bewusste Entscheidung gewesen, es ist einfach so entstanden“, erklärt Kai Wingenfelder. Wann immer es ihm möglich war, hat er sich mit seinem Bruder zurückgezogen und an neuen Songs getüftelt – sage und schreibe 21 sind es geworden, was man in einer Zeit, in der oft vom Tod des Albumformats die Rede ist, nur als Statement werten kann.

„Eine Band sollte sich weiterentwickeln – auch wenn ich alle damit einverstanden sind.“ Kai Wingenfelder

„Natürlich bringt es nichts, ständig darüber zu klagen, dass früher alles besser war, aber nur ein Album kann einen Künstler wirklich repräsentieren“, bestätigt Kai Wingenfelder. Tatsächlich reicht die stilistische Bandbreite auf „Sieben Himmel hoch“ von Gitarrenrock über Popballaden bis hin zu tanzbarer Elektronik. „Manchmal hört man eine Platte und hat das Gefühl, ein und denselben Song schon mehrmals gehört zu haben“, sagt der Musiker. „Eine Band sollte sich aber bis zu einem gewissen Grad weiterentwickeln, auch wenn nicht alle damit einverstanden sind. Man muss die Dinge tun, die man liebt.“

Damit die thematische Vielfalt der musikalischen in nichts nachsteht, hat sich das Geschwisterduo, das seit 30 Jahren zusammen Musik macht, diesmal auch Input aus dem gemeinsamen Freundeskreis geholt. „Textlich ist das Album weit persönlicher, aber auch politischer“, sagt Kai, der sowohl aus eigenen Erfahrungen als auch aus gesellschaftlichen Beobachtungen schöpft. Es geht ums Vatersein und ums Älterwerden, der Song „Frau von Welt“ aber nimmt auch Bezug zur aktuellen Weltlage – bis es irgendwann um das größte Bier der Welt geht. „Wenn ich meinem Hund Antibiotika gebe, verstecke ich sie in seinem Futter – das Ergebnis ist entscheidend“, lacht der Musiker. „Man muss die Probleme erkennen, dann kann man sie auch in einen Song verpacken, der theoretisch am Ballermann laufen könnte, um den Leuten so die Dosis Nachdenken zu verpassen, die sie brauchen.“ Am Ballermann wird man Wingenfelder so schnell nicht hören, sehr wohl aber auf der Tour, die direkt nach dem letzten Konzert ihrer Hauptband beginnt. Und natürlich hofft Kai Wingenfelder, dass sich der eine oder andere Fury-Fan auch dort blicken lassen wird.

Wingenfelder „Sieben Himmel hoch“ erscheint am 8. Juni bei Starwatch Entertainment/Sony Music.

LIVE 20. 9. Worpswede, 21. 9. Kiel, 22. 9. Rostock, 25. 9. Schwerin, 27. 9. Wolfsburg, 28. 9. Osnabrück, 29. 9. Lingen, 30. 9. Oberhausen, 2. 10. Lennestadt, 4. 10. Hamburg, 5. 10. Hannover, 6. 10. Meschede, 30. 10. Berlin, 1. 11. Magdeburg, 2. 11. Leipzig, 3. 11. Erfurt, 4. 11. Göttingen, 6. 11. Saarbrücken, 8. 11. München, 9. 11. Mannheim-Freudenheim, 10. 11. Münster, 11. 11. Minden, 13. 11. Köln, 14. 11. Bochum, 16. 11. Bielefeld, 17. 11. Bremen

Tickets gibt es u. a. hier bei Reservix oder bei Eventim

 

 

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