Contemporary Music

Danger Dan und die Depressionen der Anderen

Reflexion ist für Rapper keine so dumme Sache. Danger Dan (Antilopen Gang) geht noch weiter und legt sich für die Depressionen seiner Freunde sogar auf die Couch. Therapieerfolg: Viele Einsichten und das Debütalbum „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“.

Ein Rapper in der Therapiestunde – könnte kitschig, pathetisch oder einfach nur oberflächlich werden. Zum Glück hat sich nicht irgendwer, sondern Antilopen-Gang-Mitglied Danger Dan auf die Couch gelegt, um aus dem beschönigten Leben zu reflektieren. Dafür sollte man sich Zeit nehmen und genau zuhören, denn Songs wie „Die Verwandlung“ oder „Mingvase“ wollen analysiert, aber nicht verstanden werden. Nicht metaphorisch, sondern ganz konkret ist dagegen die Kritik am Gender Pay Gap im Track „Sand in die Augen“. Das ist anspruchsvoller deutscher Rap, bei dem sich ein Künstler gänzlich offenbart und am inneren Kern kratzt. Klar, dass aus den eindringlichen Lines selbstzerstörerische Tendenzen und Schmerz genau so an die Oberfläche dringen wie Wut, Zweifel und Verletzlichkeit. Mit vermeintlichen Widersprüchen spielt der Rapper auch musikalisch, wenn er den charakteristischen Sound der Antilopen Gang gekonnt mit Pop, Punk und Klassik vereint. Und spätestens wenn er mit seiner melancholischen Stimme über diese Beats rappt, spürt man die Wucht dieses Albums und legt sich womöglich selbst mit Gänsehaut auf die Couch. vawe

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