Contemporary Music

Jetzt wird’s persönlich!

Wenn Rap auf Pop trifft, dann klingt er … wie Namika !

uMagazine: Namika, in der HipHop-Szene sind Homophobie, Sexismus und Frauenfeindlichkeit nach wie vor weit verbreitet. Hast du dich deshalb auch dem Pop zugewandt?

Namika: Wenn du auf „Lieblingsmensch“ anspielst – das hat mich einfach in die Popwelt gehievt, das war keine bewusste Entscheidung. Ich mache HipHop. Und finde auch gar nicht, dass die Szene komplett homophob ist. Wen meinst du denn da? Natürlich gibt es immer wieder Leute, die im Battlerapkontext einen dummen Spruch reißen, aber es gibt auch etablierte Rapper wie Curse oder Samy Deluxe, die mit Homophobie und Sexismus nichts zu tun haben.

uMagazine: … und es gibt 187 Strassenbande und Gzuz, Capital Bra und Frauenarzt, Kollegah und Farid Bang. Die finden auch abseits von Battles statt und bleiben in Interviews bei ihrer fadenscheinigen Linie, das sei künstlerischer Ausdruck – während HipHop-Frauen wie Hayiti, Eunique oder SXTN das auch nicht benennen wollen.

Namika: In Interviews hat jeder Schiss, Stellung zu beziehen, gerade als junger Mensch. Alice Schwarzer will niemand sein. Die kommt aus einer anderen Zeit, hat andere Sachen erlebt. Überhaupt finde ich es nicht gut, dann gegen Männer zu schießen, denn Feminismus heißt ja nicht gegeneinander, sondern als gleichberechtigte Geschlechter miteinander.

uMagazine: Um ein Miteinander geht es dir als Frankfurterin mit marokkanischen Wurzeln sicherlich auch auf anderen Ebenen – dein aktuelles Album heißt „Que walou“ – wie übersetzt man das am besten? 

Namika: „Que walou“ ist amazighisch für „wie nichts“ oder „für nichts“. Je nach Kontext kann es eine positive oder eine negative Bedeutung haben. Zum Beispiel, wenn sich jemand bei dir bedankt, und du sagst: „Dafür nicht“, während „für nichts“ das Gefühl beschreibt, sich umsonst für eine Sache angestrengt oder eingesetzt zu haben.

uMagazine: Der Song „Hände“ handelt von deiner Großmutter. Wie hat sie dich geprägt?

Namika: Meine Vorbilder sind definitiv alles starke Frauen, die mich inspiriert haben, meinen Weg zu gehen. Gerade im HipHop ist es wichtig, dass mehr Frauen ins Spiel kommen, ohne Klischees bedienen zu müssen. Du brauchst keine harte Frau zu sein, um rappen zu können.

 

 

Namika • Album

Künstler: Namika
Titel: Que Walou
Label: Jive Germany
VÖ: 29.06.2018

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Namika

Ist Namika Lieblingsmensch oder doch Rapperin?

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