Jordan Rakei: Frisch geduscht

Vielleicht verdankt es Jordan Rakei ja wirklich nur einer täglichen Routine, dass er jetzt mit „Origin“ einen extrem zeitgemäßen Soulklassiker vorlegen kann.

Jordan Rakei hat am 14. Juni sein Album „Origin“ veröffentlicht. Mit unserem Autor Carsten Schrader spricht er über die Inspiration für das neue Album, technologische Dystopien und die tägliche Körperpflege…

kulturnews: Ist es nach wie vor dein Plan, mit 30 auf fünf ganz unterschiedliche Jordan-Rakei-Platten zurückblicken zu können?

Jordan Rakei: Absolut, diese Rechnung habe ich immer im Hinterkopf. Und es sieht ganz gut aus, dass ich es auch schaffe: Ich bin gerade 27 geworden, so dass mir für die nächsten zwei Alben noch etwa vier Jahre bleiben.

kulturnews: Auf deiner neuen Platte bist du kaum wiederzuerkennen: Während es vor zwei Jahren auf „Wallflower“ thematisch um Selbstzweifel und Ängste ging, ist „Origin“ eine vor Energie strotzende Soulplatte.

Rakei: Ich habe mich ganz bewusst an den großen Refrains der 70er orientiert, und ich wollte mit möglichst vielen Instrumenten arbeiten, um eine dynamische Show auf die Bühne bringen zu können.

kulturnews: Dann hatte „Wallflower“ für dich eine kathartische Wirkung?

Rakei: In musikalischer Hinsicht schon. Früher war ich sehr selbstkritisch und habe viele Ideen verworfen, wenn sie mir zu naheliegend vorkamen. Jetzt war mir der Spaß wichtiger: Mit der Energie der Songs wollte ich dem Alltag trotzen. Auch als Gegenstück zu den Texten, die mitunter ja schon sehr düstere Zukunftsszenarien entwerfen.

kulturnews: Du hast dich von Serien wie „Black Mirror“ und „The Handmaid’s Tale“ inspirieren lassen.

Rakei: „Black Mirror“ habe ich erst entdeckt, als das Album schon fast fertig war. Nachdem ich einem Freund erzählt hatte, worum es in meinen neuen Texten geht, gab er mir den Tipp, die Serien zu schauen. Fast hätte ich wegen der vielen Parallelen alles wieder eingestampft.

kulturnews: Gehst du nach all diesen Dystopien reflektierter mit Technologie um?

Rakei: In einer Kurzschlussreaktion habe ich alle Apps von meinem Telefon gelöscht. Es ist schwierig, weil es natürlich auch Schwachsinn ist, auf alle Erleichterungen des Lebens zu verzichten. Ich bemühe mich aber um das Abwägen, ob der dafür zu zahlende Preis es wert ist.

kulturnews: Du meditierst auch, oder?

Rakei: Schon vor sechs Jahren habe ich eine Methode erlernt, die ich als mental shower bezeichne und bei der es um die Atemtechnik geht. Wenn ich einen Tag im Studio verbringe, unterbreche ich meine Arbeit und denke einfach nur über das Stück nach, statt panisch all die verrückten Ideen auszuprobieren.

kulturnews: Ist dir der Song „Mantra“ unter der mentalen Dusche eingefallen?

Rakei: Das Stück greift eine andere Technik auf, bei der man täglich 20 Minuten lang ein bestimmtes Wort oder einen Satz wiederholt. „Mantra“ spielt in einer futuristischen Welt und gibt sich der Hoffnung hin, dass man sich seine Menschlichkeit erhalten kann, indem man Sätze wie „I will be kind“ vor sich hersagt.

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