Lieber Yoga als Britney Spears

Der australische Songwriter Ry Cuming hatte keinen Bock, mit Freundin Sia Songs für Geld zu schreiben. Jetzt nennt er sich Ry X und setzt auf Selbsterfahrung statt auf Kommerz.

uMagazine: Ry X, es überrascht nicht, dass du jetzt auf Orchestertour gehst, denn dein Album „Dawn“ ist über weite Strecken sehr reduziert.

Ry X: Ich hätte auch erwartet, dass das Album viel elektronischer wird, aber dann bin ich in die kalifornischen Berge gezogen, und plötzlich war eine hippe Produktion scheißegal. Gezählt haben nur noch die Songs, und da ergeben eben vor allem Gitarre und Klavier Sinn.

uMagazine: Wärst du noch bei einer großen Plattenfirma, würde man dich wohl als Künstler vermarkten, der voll authentisch ist.

Ry X (lacht): Stimmt, das Wort ist mittlerweile genau so überstrapaziert und bedeutungslos wie „organic“. Majorlabels beschäftigen Autorenteams, die den ganzen Tag authentische Songs für andere Musiker schreiben. Sia ist eine gute Freundin von mir, und sie hat mal gesagt: Komm, Ry, ich will Geld verdienen, lass uns doch einfach Popsongs für Britney Spears schreiben. Ich will das gar nicht verurteilen, denn als ich sie ein Jahr später wieder getroffen habe, hatte sie bereits mit Leuten wie Rihanna oder David Guetta gearbeitet – und sie war glücklich damit. Trotzdem war ich über ihren Vorschlag entsetzt, weil ich den Anspruch habe, Kunst zu machen.

uMagazine: Vor ein paar Jahren hast du auch eine Auszeit genommen – und danach deine Karriere als Ry Cuming abgebrochen.

Ry X: Ich musste aus den Strukturen raus, bin für ein paar Monate auf eine Insel nach Indonesien gezogen und habe mit Yoga und Meditation einen Selbsterkundungstrip durchgezogen. Das klingt wahnsinnig klischeemäßig, war aber total wichtig, da mir klar wurde, dass ich nur weiter Musik machen kann, wenn ich mein Ego in den Griff bekomme. Als ich dann nach Kalifornien zurückgekehrt bin, konnte ich ganz offene und ehrliche Songs schreiben, ohne auf den schnellen Erfolg zu spekulieren. Deswegen der Neuanfang als Ry X.

uMagazine: Hast du keine Angst davor, dein Seelenheil zu sehr von der Musik abhängig zu machen?

Ry X: Wenn ich nur die Musik hätte, wäre ich anfällig. Mit Musik allein bekommt man sein Leben nur sehr selten auf die Reihe, weil das ganze Umfeld so absurd ist. Aber ich habe das Surfen, das für mich genauso wichtig ist wie die Musik. Und ich reise nie ohne Yogamatte.

Ry X ist im Februar auf Tour und spielt u. a. mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg Stücke aus seinem Album „Dawn“.

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