Seattle entdecken mit SYML

Seattle ist die Heimatstadt des Grunge – doch mit dem Sound von Nirvana hat der dort lebende Brian Fennell alias SYML trotzdem wenig zu schaffen: Auf seinem Debüt „The Hurt EPs“ dominieren Klavier, sanfte Elektronik und gelegentlich Streicher. Bei einem Rundgang durch Seattle landen wir aber doch in einschlägigen Bars – und vor einer Kurt-Cobain-Devotionalie.

Grantelige Barkeeper
Nirgendwo lernt man Seattle besser kennen als in Bars: Die Menschen hier trinken unglaublich viel, weil es ständig regnet und fast immer dunkel ist. Ausgerechnet in der eigentlich sehr touristischen Gegend um den Pike Place Market gibt es eine staubige, extrem gemütliche Bar namens White Horse Trading C. (1908 Post Alley, Seattle, WA 98101), die wie eine winzig kleine Bibliothek aussieht. Es stehen immer nur vier Drinks auf der Karte, die täglich wechseln. Durchgehend im Angebot ist nur ein Longdrink namens Pimm’s Cup, der aus England kommt und mit einem Kräuterlikör auf Basis von Gin gemacht wird. Man muss sich mit dem Barkeeper gutstellen, um überhaupt bleiben zu dürfen, was den Vorteil hat, dass es immer sehr ruhig ist und man sehr gut lesen oder schreiben kann, während man sich langsam betrinkt. Leider gibt es auch in Seattle ein Rauchverbot in Bars, aber ich habe es schon häufig erlebt, dass das Barpersonal einfach die Jalousien runterlässt und den Laden dichtmacht, damit die Gäste drinnen rauchen dürfen.

 

 

Nette Punks
Wenn man es lauter und abgedrehter will, geht man am besten in die Tin Hat Bar (512 NW 65th St, Seattle, WA 98117). Eine Zeit lang bin ich wirklich jeden Tag in diesen Punkrockschuppen gegangen. Ich hatte mit der Punkszene nie viel zu tun, aber ich habe sogar das schlechte Bier und das ungesunde Fast Food in Kauf genommen, weil die Leute hier so aufgeschlossen sind und man sofort Anschluss findet.

 

 

Discovery Park Seattle Foto: Visit Seattle/Nick Hall

Leuchtturm im Stadtpark
In Seattle gibt es viele schöne Parks, doch das absolute Highlight ist meiner Meinung nach der Discovery Park (3801 Discovery Park Blvd, Seattle, WA 98199), den man vom Zentrum aus sehr gut mit dem Fahrrad oder per Bus erreichen kann. Wenn man mehrere Tage in Seattle ist, kann man sich hier vom Trubel in der Stadt erholen: Es gibt Berge, sodass man hier sehr gut wandern kann, aber auch einen schönen Strand. Aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs steht hier noch ein kleiner Leuchtturm, und jedes Mal, wenn ich von dort die Aussicht genieße, habe ich das Gefühl, in Norwegen zu sein.

 

 

Der hippe Italiener
Bei uns muss man Sushi essen – nur gibt es da so viele gute Läden, dass ich unmöglich eine Empfehlung aussprechen kann. Ganz fantastisch ist auch Spinasse (1531 14th Ave, Seattle, WA 98122), ein kleines italienisches Restaurant mit selbstgemachter Pasta. Sie kochen sehr einfache Gerichte, die unfassbar gut schmecken. Aber Achtung: Das Restaurant befindet sich in Capital Hill, eine sehr teuren, hippen Gegend, in der sich auch die coolsten Bars befinden. Dementsprechend schwierig ist es auch, einen Platz bei Spinasse zu bekommen. Da sie keine Reservierungen annehmen, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als mehrmals am Abend reinzuschauen und zu sehen, ob etwas frei geworden ist. Doch der Aufwand lohnt sich.

 

 

 

 Columbia City Theater innen Foto: Columbia City Theater

Geburtsstätten des Grunge
Natürlich gibt es viele Clubs und Konzertlocations. Legendär ist das Crocodile Cafe (2200 2nd Ave, Seattle, WA 98121), wo Nirvana einen ihrer ersten Auftritte hatten und auch Soundgarden gespielt haben. Leider wurde es vor kurzem umgebaut, und durch die Modernisierung hat es seinen runtergerockten Charme eingebüßt. Wer neue Gitarrenbands entdecken will, ist mit dem 500er-Venue aber nach wie vor gut beraten, und sie haben auch andere Genres im Angebot. Etwas größer und ähnlich geschichtsträchtig ist The Showbox (1426 1st Ave, Seattle, WA 98101), wo auch heute noch alle wichtigen Acts spielen, wenn sie in Seattle sind. Mein nächster Gig findet im Columbia City Theater (4916 Rainier Ave S, Seattle, WA 98118) statt, einem alten Kino, das heute für Konzerte genutzt wird. Ich erinnere mich noch, dass ich dort vor Jahren Sigur Rós gesehen habe und während des kompletten Auftritts heulen musste.

 

 

 

Museum of Pop Seattle Foto: Visit Seattle

Kurt Cobain vs. Captain Kirk
Das vor gut 15 Jahren von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen gestiftete Museum of Pop Culture (325 5th Ave N, Seattle, WA 09109) ist ein ziemlicher Lagerspalter. Das moderne Gebäude von Architekt Frank Gehry wird oft „The Hemorrhoids“ genannt und musste auch in Architekturkreisen viel Häme einstecken. Ob man den hohen Eintrittspreis investiert, um eine Gitarre von Kurt Cobain und ein paar andere Popkultur-Devotionalien zu sehen, muss jeder selbst entscheiden. Sehr sehenswert sind auf jeden Fall die Star-Trek-Ausstellung und die Sammlung zum Science-Fiction-Film.

 

 

Vinyl und Ladenkonzerte
In Seattle sitzen viele Plattenfirmen, mit KEXP haben wir den vielleicht weltweit wichtigsten Radiosender in der Stadt, und auch mein Lieblingsplattenladen hat internationales Renommee: Easy Street Records (4559 California Ave SW, Seattle, WA 98116) ist auf Vinyl spezialisiert und in jedem Genre unglaublich gut aufgestellt. Außerdem finden hier Ladenkonzerte statt, selbst bekannte Bands wie The National spielen hier, wenn sie in der Stadt sind.

 

 

Das offizielle Video von „Where’s my Love“ feierte Premiere auf kulturnews.de und kann dort angesehen werden.  kulturnews.de

 

SYML Porträt

Foto: Shervin Lainez

SYML ist das Soloprojekt von Brian Fennell vom Indierock-Trio Barcelona. Der Name kommt aus dem   Walisischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt „simpel“. SYMLs gerade erschienenes Debütalbum  heißt „The Hurt EPs“. SYML alias Brian Fennell kommt aus und lebt in Seattle.

 

 

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