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Spielbergs „Die Verlegerin“: Triumph gegen Trump

Wer sagt, dass schnell-schnell nicht auch richtig gut sein kann? Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ mit Meryl Streep ist jedenfalls aktuell UND genial.

Eigentlich ein klassischer Schnellschuss: Nachdem Steven Spielberg das Drehbuch zu „Die Verlegerin“ las, schob er den Film trotz zahlreicher anderer Projekte kurzfristig dazwischen – im Zuge von Donald Trumps Fake-News-Feldzug wollte er die Geschichte möglichst schnell erzählen. Die Eile merkt man dem Film nicht an, seine Dringlichkeit hingegen schon: Spielbergs rasanter Pressethriller erzählt von Kay Graham (Meryl Streep), der ersten weiblichen Zeitungsverlegerin in den USA, die in den 70er-Jahren nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes erst in ihre Rolle als emanzipatorische Vorreiterin inmitten grauer Anzugträger hineinwachsen muss.

Als die Redaktion an Geheiminformationen über die sogenannten Pentagon-Papiere kommt, die Lügen der US-Regierung in Bezug auf den Vietnamkrieg offenlegen, muss Graham über die Zukunft ihres Blattes, der Washington Post entscheiden. Das journalistische Ethos würde verlangen, sie zu veröffentlichen – doch verfügt die Regierung um Präsident Richard Nixon auch über genug Einfluss, die Zeitung zu zerstören. Man muss den genauen Verlauf des Skandals nicht kennen, um zu erahnen, für welche Option sich Graham und ihr Redakteur Ben Bradley (Tom Hanks) entscheiden – und mit welchem Ausgang. Doch Spielberg versteht es vortrefflich, Spannung aus dem Bekannten und Offensichtlichen zu ziehen. „Die Verlegerin“ ist das direkte Prequel zu Watergate und damit auch zu „Die Unbestechlichen“ (1976), dem unbestrittenen Klassiker des Journalistenkinos.

 

 

Obwohl der Film vollständig in den gedeckten Farben des Großraumbüro-Interieurs gehalten ist, geht Spielberg den Stoff mit der ihm eigenen Emotionalität an: „Die Verlegerin“ überzeugt als altmodische, parteiische, nicht gerade schattierungsreiche Ode an journalistische Integrität und aufrechtes Demokratentum, wie sie vor vielen Jahrzehnten vielleicht ein Regisseur wie Frank Capra angestimmt hätte – der 1928 mit „The Power of the Press“ nicht zufällig einen der ersten Filme des Genres gedreht hat. Wenn schließlich die Druckerpresse in Gang gesetzt wird und sogar die Räume darunter zu beben beginnen, dann ist das als Höhepunkt vorhersehbar – aber mit so viel Überzeugung und erhebendem Pathos in Szene gesetzt, dass man sich kaum dagegen wehren kann.

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