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Zurück zu den Wurzeln

Jane Rizzoli und Maura Isles, die Heldinnen der Bestsellerautorin Tess Gerritsen, machen in „Grabesstille“ einen besonderen Ausflug: in die Geschichte von Gerritsen selbst.

Katharina Behrendsen: Frau Gerritsen, wie über die meisten Krimiautoren weiß man recht wenig über sie – weil es besser ist, nicht zu viel über einen Krimiautoren zu wissen?

Tess Gerritsen: Vielleicht. Denn dann kann man sich alles über mich vorstellen. Die meisten wären wahrscheinlich ohnehin nur enttäuscht, herauszufinden, dass ich ziemlich gewöhnlich bin. Das einzig angsteinflößende an mir ist meine Fantasie.

Katharina Behrendsen: Im aktuellen Thriller „Grabesstille“ setzen Sie sich zum ersten Mal mit ihren chinesischen Wurzeln auseinander. Warum haben Sie so lange damit gewartet?

Tess Gerritsen: Weil mein Verleger mir vor Jahren erzählt hat, dass Bücher mit asiatischen Figuren sich nicht besonders gut verkaufen. Es hat Jahre gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken wohl gefühlt habe, ein Buch mit chinesischen Protagonisten zu schreiben.

Katharina Behrendsen: Ist „Grabesstille“ damit auch ein besonders persönliches Buch für Sie?

Tess Gerritsen: Ja, denn es bringt die Erinnerungen zurück, wie es war, als chinesischstämmige Amerikanerin aufzuwachsen. Es bringt auch die Märchen zurück, die meine Mutter mir früher erzählt hat über den Affenkönig, magische Mönche und starke Kriegerinnen.

 

„Serienkiller haben die Rolle der alten, mythischen Schrecken übernommen.“

Tess Gerritsen

 

Katharina Behrendsen:  Viele ihrer Bücher handeln von Serienkillern. Sind sie die besseren Mörder für Krimiautoren?

Tess Gerritsen: Ich denke, sie sind unsere neuen Monster. Serienkiller haben die Rolle der alten, mythischen Schrecken übernommen, sind also für die Menschen so angsteinflößend wie es einst Werwölfe oder Vampire waren. Aber ich bin nicht auf Serienkiller fixiert. Vielleicht ein Drittel meiner Bücher hat Serienkiller als Täter.

Katharina Behrendsen: Aber alle ihre Bücher haben Frauen als Opfer. Weil sie die besseren Opfer sind?

Tess Gerritsen: Weil die meisten meiner Leser, die meisten Belletristikleser überhaupt, Frauen sind. Und weil Frauen in der Gesellschaft potentielle Opfer sind, fühlen wir uns verletztlich. Wir identifizieren uns in einer angsteinflößenden Geschichte mit dem Opfer, nicht mit dem Helden.

Katharina Behrendsen: „Grabesstille“ ist – neben Einzelbüchern, die Sie auch schreiben – wieder ein Teil der Reihe um Jane Rizzoli und Maura Isles. Schreiben Sie diese Bücher am liebsten?

Tess Gerritsen: Ich schreibe sie, weil ich wissen will, wie es im Leben von Jane und Maura weitergeht. Natürlich schreibe ich sie auch, weil mein Verleger und die Leser sie lieben, aber es ist immer auch ein bisschen wie ein Treffen mit alten Freunden.

Katharina Behrendsen: Eine langsam gewachsene Freundschaft, oder? Denn ursprünglich wollten sie die Polizistin Jane Rizzoli ihr erstes Abenteuer gar nicht überleben lassen …

Tess Gerritsen: Stimmt, Jane war eigentlich eine Nebenfigur in „Die Chirurgin“ und sollte am Ende sterben. Aber sie hat sich beim Schreiben wie von selbst entwickelt und leztlich habe ich sie so gemocht, dass ich sie zur Hauptfigur des nächsten Buches gemacht habe. Als ich dort eine Medizinerin brauchte, habe ich Maura Isles eingeführt, aber es war nicht beabsichtigt, die beiden langfristig zu Partnerinnen zu machen.

Katharina Behrendsen: Obwohl Sie es nicht von Anfang an geplant haben, sind die beiden Frauen zu einem echten Dreamteam geworden – und sogar mittlerweile Heldinnen ihrer eigenen Fernsehserie. Beeinflusst das Ihr Schreiben?

Tess Gerritsen: Erst mal überrascht und freut es mich. Denn Optionen zur Verfilmung gab es auf alle meine Bücher, aber nichts wurde je gedreht. Meine Bücher schreibe ich aber wie immer und stelle mir Maura und Jane auch vor, wie ich sie mir immer vorgestellt habe: Ein bisschen weniger gutaussehend – oder Jane sogar weitaus weniger gutaussehend.

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