The Black Keys: Frisch gewaschen und gebügelt

Es hat gekriselt bei den Black Keys. Doch in fünf Jahren Pause ist im Leben von Dan Auerbach und Patrick Carney viel passiert.

So einfach, wie sie manchmal scheinen, liegen die Dinge dann oft doch nicht. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Titel des neunten Studioalbums der Black Keys. Das heißt nämlich „‘Let’s Rock‘“, und es ist nicht so, dass ihnen nichts eingefallen wäre und sie hundemüde und kurz vor knapp einfach irgendeinen Titel gewählt hätten. Die Anführungsstriche sind schon ein Hinweis: Die Inspiration für „‘Let’s Rock‘“ kommt direkt aus dem Todestrakt. Bevor der verurteilte Doppelmörder Edmund Zagorski am 1. November 2018 im Hochsicherheitsgefängnis von Nashville auf dem elektrischen Stuhl getötet wurde, waren dies seine letzten Worte. Dan Auerbach (40) und Patrick Carney (39) waren da gerade schwer mit ihren neuen Songs beschäftigt, sie bekamen die Nachricht auf einem Ohr mit – und hörten augenblicklich auf, sich noch weitere Gedanken über den Namen ihrer neuen Platte zu machen. „Nichts bringt dich mehr dazu, über dein Leben nachzudenken, als der Tod“, kommentiert Sänger und Gitarrist Auerbach gewohnt trocken.

Die Black Keys selbst, jene, so sagen die Statistiker, erfolgreichste Rockbandneugründung des 21. Jahrhunderts, kommen 15 Jahre nach ihren Debütalbum in allergrößter Putzmunterkeit daher. Eine Pause haben sie gemacht, fünf Jahre lang, in denen die beiden Sandkastenfreunde nicht nur neue Ehen geschlossen (bei Carney ist es die dritte, bei Auerbach die zweite) und Kinder bekommen haben (bei Carney ist es das erste, bei Auerbach das zweite), sondern auch gut ausgelastet waren mit Soloplatten und der Produktion anderer Künstler. Außerdem haben sich die beiden großen Jungs auch einige Mühe gegeben, sich nicht ständig im heimischen Nashville über den Weg zu laufen. „Es war Dans Idee, eine Pause einzulegen“, sagt Carney, „aber ich habe gar nicht erst versucht, ihn umzustimmen. Weil er absolut recht hatte.“ Nach der Tour zum vorherigen Album „Turn blue“ fühlten sich der Sänger/Gitarrist und der Drummer ausgewrungen wie zwei alte, leicht müffelnde Schwämme, kleine Wehwehchen und eine nicht mehr nur latente Überdrüssigkeit des jeweils anderen kamen nach triumphalen, aber auch fordernden Jahren als Grammy-prämierte Superstars dazu. „Wir mussten einfach mal heimgehen und unsere Leben leben“, bringt es Carney auf den Punkt.

Und jetzt: sind sie wieder zwei Hemden, die frisch gewaschen und gebügelt aus der Reinigung kommen. Waren sie wirklich bei einem Paartherapeuten, wie es im selbstironischen Video zu „Go“ zu sehen ist? Vermutlich reichte eine gemeinsam geleerte Kiste Bier. Nach mehreren Platten mit Danger Mouse haben die Burschen „‘Let’s Rock‘“ nun vollständig selbst produziert und ganz alleine eingespielt: Es geht im Rock’n’Roll-Sinne gut zur Sache („Get yourself together“, „Eagle Birds“), und auch vor federleichten Liebesliedern („Sit around and miss you“) nehmen sie kein Reißaus. Hatten sie denn keine Angst davor, dass beim Neustart die Chemie nicht mehr stimmen könnte? Carney winkt ab: „Sobald wir in einem Raum sind und zusammen spielen, ist der alte Zauber wieder da.“ Das muss dann wohl Liebe sein.

Steffen Rüth

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