Torsten Sträter, muss ein guter Komiker leiden?

„Ich glaube nicht, dass ich eine wahnsinnige Vorbildfunktion habe, ich bin einfach der lustige Mann mit der Mütze, das reicht mir auch“, Torsten Sträter im Inteview


Herr Sträter, Sie sind ausgebildeter Herrenschneider. Können Sie sich einen Anzug noch selbst nähen?

Ich könnte es. Aber wenn du dir den richtigen Stoff kaufst, isses auch sehr teuer. Bei sich selbst ne Anprobe zu machen, ist außerdem sehr schwierig. Ich könnte es, aber ich würde eeewig brauchen.

Beeinflusst Ihre Ausbildung auch heute noch Ihr Outfit?

Sie tut das dahingehend, als ich sehr genau über meine Konfektionsgröße Bescheid weiß und weiß, was ich von den Proportionen her tragen kann. Wie lang ein Hemd bei mir sein sollte, damit es nicht so wirkt, als wär’s zu groß, und trotzdem passt meine Plauze noch rein. Ich kenne meine Bundweiten exakt, ich kenne meine Innenbeinlänge exakt, ich weiß, was ich anziehen kann.

Was mir auffiel in früheren Interviews: Sie sind extrem bescheiden.

Ich glaube nicht, dass ich Mitte 20 bescheiden gewesen wäre, da war ich so ein bisschen dumm. Wenn man mir damals etwas größere Geldbeträge in die Hand gedrückt hätte – und schon 1000 Euro ist für mich ein größerer Geldbetrag, auch heute noch –, dann wäre ich ausgeflippt und womöglich nach New York geflogen für sechs Wochen.

Was ist anders geworden?

Ich hab festgestellt: Erstens gibt es immer Leute, die viel mehr Geld haben. Viel mehr Erfolg. Dann wird einem klar, dass man nie so gut ist, wie die Leute einen hochhypen, und auch nie so schlecht, wie die Leute einen gelegentlich machen. Es ist immer so ein gesundes Mittelfeld, und ich hab alles, was ich brauche.

Echt? Wirklich?

Ein Porsche isn schönes Auto, und wenn ich jetzt mit ner Brechstange dran gehe, kann ich mir vielleicht auch einen leisten. Aber ich bin nicht so der Porschettyp! Das ist nicht so in mir drin. Ich hab wenig Neid. Gott sei Dank, ich glaub, das macht einem das Leben zur Hölle. Ich bin froh, dass ich mein Heizöl bezahlen kann, weil: Heizöl ist echt teuer. Ich bin froh, dass ich meine Reisekosten bezahlen kann. Und ich bin ganz stolz, dass ich mir gestern einen richtig teuren Koffer kaufen konnte, denn der alte war kaputt gegangen. Obwohl ich da schon wieder das Gefühl hab, das war zu viel. Ich bin vermutlich Prolet. So ein bisschen. Ich versuch das nur sprachlich nicht so raushängen zu lassen.

Sie sind bekennender Depressiver.

Nicht hauptberuflich. Ich bin glücklich und zufrieden, aber ich hab schon depressive Schübe, ja. Ich hab da lange drunter gelitten. Sehr.

Es wird oft gesagt, gute Komik entstehe nur da, wo der Künstler an sich und der Welt leide. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, dass es viele Kollegen gibt, die auch ohne großes Leiden brillant sind, weil sie einfach gewisse Mechanismen der Komik entwickelt haben. Oder eine gewisse Art, die es ihnen möglich macht, auch leicht und glücklich gute Komik zu produzieren. Aber wahrscheinlich stimmt es, dass es hilft, wenn es einem auch mal nicht so gut geht. Die Sichtweise ändert sich. Oft nicht zum Guten, aber hilfreich ist es trotzdem.

Es gibt etliche Künstler, die sich zu ihrer Depression bekennen. Wie wichtig ist es denn, damit nach außen zu gehen?

Ich glaube nicht, dass ich eine wahnsinnige Vorbildfunktion habe, ich bin einfach der lustige Mann mit der Mütze, das reicht mir auch. Aber das sind Depressionen! Sachen, die man von außen nicht sieht, im Gegensatz zum gebrochenen Bein, wo einem sofort jeder die Tür aufhält. Man muss den Leuten sagen, dass Depressionen fürchterlich sind.

Interview: Jürgen Wittner


Checkbrief

Name Torsten Sträter

Geboren 1966 in Dortmund

Beruf Schriftsteller, Slam-Poet, Kabarettist

Ausbildung Herrenschneider

Jahrelanger Broterwerb Arbeit in einer Spedition

Zunächst Autor von Horrorgeschichten

Dann Autor von Comedygeschichten

Markenzeichen Die Mütze

Neues Programm Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein

Neue TV-Show Sträters Männerhaushalt

www.torsten-straeter.de

 

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