Contemporary Music

Wanda wagen Melancholie

Die Wiener Band Wanda polarisiert wie kaum ein anderer deutschsprachiger Act dieser Tage – und dabei kommen die Melodien und Texte doch angeblich direkt von John Lennon. Aus dem Jenseits.

Carsten Schrader: Marco, spricht man die Leute auf Wanda an, stecken sie sich den Finger in den Hals oder reagieren euphorisch. Wie kommt es, dass auf euch niemand mit Gleichgültigkeit reagiert?

Marco Wanda: Mich hat nie interessiert, was irgendjemand von mir oder gar meiner Musik hält. Aber irgendwie müssen wir einen speziellen Punkt in den Menschen treffen. Mein Gott, man hat ja auch versucht, Wanda zu politisieren: Wir sind eine der wenigen Bands, die aus dem rechtsliberalen Lager genauso wie aus dem linksliberalen Lager vereinnahmt und auch kritisiert werden. Egal, was man über uns sagt, es stimmt nicht.

Carsten Schrader: Ihr befeuert aber auch die Missverständnisse, indem ihr euch etwa weigert, in Interviews über eure Songtexte zu sprechen.

Marco Wanda: Wir haben ein Pietätsgefühl, deswegen reden wir nicht über Hotelzimmer und Privatleben. Und viele Dinge, nach denen wir gefragt werden, können wir auch gar nicht erklären. John Lennon diktiert mir aus dem Jenseits Melodien und Texte, die ich dann ins Studio bringe, wo wir sie sofort aufnehmen.

Carsten Schrader: Aber dann ist euch doch bestimmt aufgefallen, dass der John jetzt nicht mehr so radikal auf Rock’n’Roll-Lifestyle setzt und euch mit der aktuellen Platte „Niente“ auch sehr melancholische Reflexionen über die Kindheit und den Tod rübergeschoben hat.

Marco Wanda (lacht): Na ja, er hat mich auf die nächste Phase der Beatles aufmerksam gemacht, in der sie begonnen haben, hier und da auch mal ein bisschen was anderes auszuprobieren.

Carsten Schrader: Interpretierst du das als flüchtige Katermomente oder eher als ein Erwachsenwerden?

Marco Wanda: Wir sind eine Rock’n’Roll-Band, die auf Tour fährt – da wird man nicht erwachsen. Jetzt sind wir wieder beim Pietätsgefühl des Musikers: Musikalisch hatten wir die entsprechenden Fähigkeiten auch schon vor drei oder vier Jahren, aber man muss es sich verdienen, eine Platte wie „Niente“ machen zu können. Lass mich aus „Zurück in die Zukunft“ zitieren: „Ihr seid noch nicht bereit, aber eure Kinder werden es sein.“ Als Debüt wäre „Niente“ vor seiner Zeit gewesen.

 

Vom 12. März bis 13. April sind Wanda in Deutschland auf Tour. Tickets für die Konzerte gibt es u. a. bei Reservix oder Eventim.

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