Jono McCleery bereut Beyoncé

Jono McCleery covert musikalische Wegbereiter. Doch mit der Wahl von Beyoncé ist der britische Singer/Songwriter im Nachhinein nicht mehr so glücklich.

Carsten Schrader: Jono, warum hast du ein Album ausschließlich mit Coverversionen aufgenommen

Jono McCleery: Es war an der Zeit, dass ich mich an mein viertes Album setze – nur wusste ich noch nicht, in welche Richtung ich gehen wollte. Da habe ich mich an den alten Plan erinnert, ein Coveralbum zu machen. Endlich konnte ich es mir leisten, auch mit einem Streichquartett ins Studio zu gehen.

Carsten Schrader: Was macht eine gute Coverversion aus?

Jono McCleery: Die Interpretation muss eigene Persönlichkeit besitzen, darf gleichzeitig aber auch nicht respektlos mit dem Original umgehen.

Carsten Schrader: Mit Jeff Buckley, Paul Weller oder Rufus Wainwright hast du durchaus naheliegende Künstler ausgewählt.

Jono McCleery: Das sind Songs, die ich schon seit vielen Jahren bei Konzerten spiele und die meine eigenen Stücke geprägt haben. Gleichzeitig habe ich darauf geachtet, Künstler auszusuchen, die nicht ganz nah an mir dran sind. Ich hätte mich nie getraut, Bill Withers oder Nick Drake zu covern, denn dabei wären nur blassere Versionen der Originale rausgekommen.

Carsten Schrader: Welches Cover hat am meisten Mut gekostet?

 

Jono McCleery: „Ingenue“ von Atoms For Peace. Einen Thom-Yorke-Song zu covern, hätte ich nie gewagt, aber dann habe ich seine Soloversion des Stücks am Piano gehört – und plötzlich hatte ich eine Idee.

Carsten Schrader: Während er durchgehend mit Kopfstimme singt, übernimmst du den Falsettgesang nur an bestimmten Stellen, wodurch du die Intensität des Stücks noch steigerst. Auch bei „Dream Letter“ von Tim Buckley ergänzt du ein emotionales Outro.

Jono McCleery: Die Zeile „Oh, what I’d give to hold him“ hat mich sehr bewegt, deswegen habe ich ein paar Akkorde geloopt und sie wie ein Mantra wiederholt. Dieser traurige Song ist mein Lieblingslied auf dem Album, den ich als frischgebackener Vater meiner Tochter höre, aber auch mit meinem verstorbenen Vater verbinde.

Carsten Schrader: Auch die eher überraschenden Songs auf „Seeds of a Dandelion“ sind herausragend: „Know who you are at every Age“ von den Cocteau Twins, „Gabriel“ von Roy Davis Jr., was ja eigentlich ein Garage-House-Stück ist, und natürlich „Halo“ von Beyoncé.

McCleery: Beyoncé habe ich ausgesucht, um auch ein zeitgemäßes Stück auf der Platte zu haben. Natürlich kannte ich das Lied – aber ich wusste nicht, wie angesagt es ist. Als die Aufnahmen abgeschlossen waren, habe ich den Song mal bei Youtube eingegeben und gesehen, dass es rund eine Millionen Coverversionen gibt. Hätte ich das vorher gewusst, wäre „Halo“ niemals auf meinem Album gelandet.

 

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