Elina Brotherus: Nordische Melancholie mal anders

Für eines ist die Helsinki School ja nicht gerade bekannt: Humor. Aber müssen finnische Fotografinnen immer nur ätherisch-melancholisch sein? Elina Brotherus findet das lachhaft.

Anfang der Nullerjahre tauchten die Finninen auf. Fast alle hatten an der Kunst- und Designhochschule Helsinki (Taideteollinen Korkeakoulu, kurz TaiK, heute Teil der Aalto-Universität) studiert, sie waren mehrheitlich Frauen, die international als Helsinki School vermarktet wurden. Und bezauberten mit hochästhetisierten Porträt- und Landschaftsfotografien, bei denen nie so ganz klar war, wo der Mensch endete und wo die Landschaft begann – Bilder, in denen Mythos, Einsamkeit, Melancholie und Kälte in einem wässrigen Irgendwo verschwammen.

 

mehr Sherman als Kaurismäki

 

Neben Helsinki-School-Stars wie Aino Kannisto, Tiina Itkonen und Susanna Majuri zählt auch Elina Brotherus zu den erfolgreichen Vertreterinnen der finnischen Kunstschmiede. Aber Brotherus, die 1972 in Helsinki geboren wurde und heute abwechselnd in ihrer Geburtststadt und in der Bourgogne lebt, weist in ihrer Kunst über das Klischee der melancholischen Finnin hinaus: Zwar deutet auch sie in ihren streng durchinszenierten Selbstporträts epische Geschichten an, die freilich nie auserzählt werden, zwar sieht man auch in ihren Bildern Vereinzelung, Sprachlosigkeit, nordische Kälte. Aber Brotherus hat etwas, was bei den TaiK-Absolventinnen ansonsten selten ist: Humor. Einen Humor, der in seiner gnadenlosen Selbstanalyse allerdings eher an Cindy Sherman erinnert als an Aki Kaurismäki.

 

da ist doch der (Erwin) Wurm drin …

 

Mit ihrer jüngsten Serie „Règle du Jeu“ nähert sich Elina Brotherus in einer Mischung aus Appropriation Art und Re-Enactment der aktionistischen Fluxus-Bewegung an. „Règle du Jeu“ ist vom 14. 3. bis 2. 9. im Kunsthaus Wien zu sehen, gemeinsam mit einem neuen, noch unveröffentlichten Werkkomplex. In Wien stehen Brotherus’ Fotografien dann in Nachbarschaft zu österreichischen Künstlern wie Valie Export und Erwin Wurm, die sich ebenfalls zwischen Fotografie und Aktionskunst bewegen. Und die eine überraschende Verwandtschaft zu den nordischen Melancholikerinnen aufweisen. Über den Humor-Aspekt.

 

Die Ausstellung „Règle du Jeu“ ist vom 14. 3. bis 2. 9. im Kunsthaus Wien zu sehen.

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