Bannkreis: Der magische Zirkel

Eine junge Sängerin, ein alter Musikhase und jede Menge Know-how: Wir wüssten nicht, was bei der Düsterfolkband Bannkreis, Johanna Krins und dem Debüt „Sakrament“ noch schief laufen sollte.

Ellen Stickel: Johanna, fühlt man sich unter Druck, wenn man sich mit so versierten Musikern wie Subway To Sally zusammentut? Als die Band gegründet wurde, warst du noch nicht mal geboren …

Johanna Krins: Ich habe großen Respekt davor, was die Kollegen schon auf dem Buckel haben und geleistet haben. Aber ich sehe es nicht als Problem. Die Musikszene ist durch meine Band Delva ja kein Neuland für mich. Ich hoffe, dass man sich da gegenseitig den Horizont erweitern kann.

Ellen Stickel: Zuerst bestand das Team nur aus Eric Fish und dir – warum habt ihr noch weitere Musiker ins Boot geholt?

 

Johanna Krins: Eric und ich kannten uns schon ein paar Jahre und hatten so eine Art Singer/Songwriter-Album geschrieben. Die Plattenfirma war von dem magischen Klang unserer beiden Stimmen auch sehr angetan – und dann wurde überlegt, wie man dem einen Körper geben könnte. Da stand schnell die Idee im Raum, Leute von Subway To Sally zu fragen. Mit Ingo als Komponisten haben wir uns auf der sicheren Seite gefühlt, auch Bodenski mit seinen Texten passte perfekt, und wenn man dann noch Simon als Schlagzeuger und Produzenten bekommt, ist das eine ideale Ausgangssituation.

Ellen Stickel: Habt ihr mit dem Songwriting dann noch einmal komplett neu angefangen?

Johanna Krins: Ja, unsere Singer/Songwriter-Sachen liegen noch in einer Schublade. Es kamen von jedem von uns Ideen oder Textvorschläge, und dann hat man das zusammengetragen und gemerkt, ob es passte oder nicht. Wir sind verschiedene Charaktere, die Bock auf verschiedene Sachen haben. Deshalb ist das Album auch so vielseitig geworden.

Ellen Stickel: Laut des Album-Waschzettels wollt ihr einen Gegenpol zur hektischen Beiläufigkeit bilden. Hat Bannkreis deshalb extra viel Drama im Sound?

Johanna Krins: Ich weiß nicht, ob ich es als Drama bezeichnen würde. Natürlich ist ein gewisses Pathos drin, wie auch in anderen Musikrichtungen, nur nimmt es zum Beispiel beim Metal niemand so wahr, weil die sich hinter ihren E-Gitarren verstecken und einen auf hart machen. Wir behandeln einfach Themen, die nicht dieselbe Beiläufigkeit ausstrahlen, wie es viele Songs im Radio tun, neben denen man auch noch Facebook checken kann. Davon wollen wir uns abgrenzen. Wir behandeln zwar Weltthemen wie Vermissen, Abschied, Hoffnung und natürlich auch Liebe, aber ein bisschen tiefgründiger und melancholischer, so dass man wirklich zuhören muss, um die Musik begreifen zu können.

Ellen Stickel: Du bist stark sehbehindert – ist das für dich musikalisch auch ein Vorteil?

Johanna Krins: Sicher ist mein Gehörsinn stärker ausgeprägt, aber als musikalischen Vorteil sehe ich das nicht. Alle Instrumente, die ich spiele, musste ich mir selbst beibringen. Aber zwischenmenschlich ist man gezwungen, eine größere Sensibilität zu entwickeln. Daraus kann man durchaus Vorteile ziehen.

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