Garrett T. Capps – „All Right, All Night“
Von Jonah Lara
Auf dem zweiten Album einer geplanten Spacecountry-Trilogie plagt den kosmischen Troubadour das Heimweh.
Ich gestehe gleich mal vorneweg: Ich bin Fan. Nehmen Sie diese Rezension also mit einer Prise Salz, werte Leser*innen. Das sollten Sie ohnehin, denn Garrett T. Capps‘ Mischung aus synthielastigem Krautrock, verhalltem Postrock und schwelgerischen Lap-Steel-Gitarren ist wirklich alles andere als massentauglich. Dennoch bestehe ich darauf, dass sein letztes Album „In the Shadows (again)“ großartig war. Nicht nur, weil ich Fan bin – Sonst würde ich es auch nicht meinen Freund*innen aufzwingen. Die Tatsache dass sein jüngstes Werk „All right, all Night“ etwas durchwachsen ist, ist also sehr schwierig für mich.
Es hat ja gut angefangen: Auf der titelgebenden Single-Auskopplung ist alles zusammenkommen, was ich an Capps‘ schrulligen Stilbrüchen so schätze: Ein melodieverliebter, dringlicher Track; poppig und trotzdem unverwechselbar. Doch klanglich hatte sich etwas getan: Unter die Melodie hatten sich ein paar soulige Backgroundsängerinnen geschlichen, die den geradlinigen Song hintergründig schwelen ließen. Der erste Vorgeschmack hatte in mir also Vorfreude auf ein Album geweckt, das den kühlen Postkraut-Spacecountry von „In the Shadows (again)“ in diesen warmen Klangfarben neu malen würde.
„All right, all Night“ ist zur Hälfte genau das, und zur Hälfte eine lose Sammlung seltsam geerdeter Country-Stücke, die den Ausflug ins All immer wieder unterbrechen. Vielleicht hat Capps Heimweh: Auf die tolle Single folgt „Alone with you“, ein lauwarmer Schunkler, der das ganze Album programmatisch zusammenfasst: „Some Folks just wanna scrape on by / Some just wanna stay up high / I’m a kinda little of either Guy, but I like to think I’m alright“. So schwankt „All right, all Night“ beständig zwischen Pferdekopfnebel und Ponyhof, wo „In the Shadows (again)“ durch seine thematische und klangliche Kohäsion bestochen hat. Die Höhen sind höher, die Tiefen sind tiefer.
Die großartigen, psychedelisch verwaschenen Höhenflüge „Sunday Sun“ und „A Beauty in the Horizon“ werden von den ganz okayen Selbstgängern „Lately“ und „You’re gonna die (with a lonely Heart)“ wieder unterbunden. Dahinter steht jedoch der grandiose Milchstraßen-Line-Dancing-Wettbewerb „Babe, I’ve got to go“. Geige, Gitarre und Lap Steel spielen sich um die Wette in die Exosphäre – Und auf „Oblivion“ schläft die Geige, die eben noch wie wild unter den Sternen getanzt hat schon wieder. Ich muss dazu vermerken: Die traditionellen Country-Songs kann Capps auch. Aber es ist schade, dass sie so viel Raum einnehmen – und nur unvorteilhaft, sie gegen die ungleich interessanteren Experimente antreten zu lassen.
„All right, all Night“ besteht aus zwei verschränkten, halb fertigen Platten: Ein okayes Country-Heimspiel und eine astrale Meisterleistung. Ich als Fan werde mich damit anfreunden können; auch wenn das abschließende Weltraum-Epos „Brand new Dance“ diesmal leider nur sieben, statt elf Minuten lang ist – denn sonst macht so was ja niemand. Garrett T. Capps ist also schon alright. Vielleicht nicht all night – dazu ist das Album eh zu kurz – aber ich bleibe Fan. Den anderen zeige ich jedoch nur die eine Hälfte von „All right, all Night“.
„All Right, All Night“ erscheint am 30. 8. auf Shotgun House Records.
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