Kishi Bashi: Omoiyari
Von Jonah Lara
Auf seinem vierten Soloalbum „Omoiyari“ webt Kishi Bashi eng verknüpfte Netze aus Schönheit und Schmerz – und entdeckt darin das Glück.
Wenn man „Omoiyari“ unvorbereitet hört, könnte man seine mitunter düsteren – zumindest stets ernsten – Themen beinahe übersehen: So leicht klingt dieses Album aufs erste Hören. „Omoiyari“ bedeutet Empathie und Mitgefühl, aber Kishi Bashi befasst sich ebenso sehr mit der Abwesenheit dieser Gefühle: Es geht darum, welche Rolle sie in der Geschichte japanischstämmiger Amerikaner*innen spielen. Dabei liefert die Musik den Soundtrack für einen gleichnamigen Film, in dem Kaoru Ishibashi sich auf eine Reise begibt, um diese Songs an Schauplätzen wie Gedenkstätten und Altenheimen zu spielen: Es ist der Versuch eines Dialogs, wenn Ishibashi diese Songs Zeitzeug*innen vorspielt und im Zuge dessen mehr über sie und ihre Geschichte erfährt, die auch seine Familie geprägt hat.
Aber selbst, wenn man den Hintergrund des Filmes nicht kennt, zwingen sich solche Fragen beim genauen Hinhören auf – und das gerade auch, weil die Inhalte der Stücke vermeintlich im Gegensatz zu den Klängen stehen: „Named of the leader who favored a nation after his own / Into the desert he pushed all the Nips, he wasn’t alone / Speech with a fury / Sentenced with no plan ahead of you / Without a heart / No winning hand for any man or child“ heißt es in „F Delano“. Das Umstellen der Initialen des amerikanischen Präsidenten, der nach Pearl Harbor zur Internierung japanischstämmiger Amerikaner*innen aufrief, zeigt Ishibashis Vorgehen beispielhaft. Franklin D(elano) Roosevelt dürfte eher umgekehrt bekannt sein. So stellt „Omoiyari“ die historischen Geschehnisse in den Schatten des Privaten und lässt sie dadurch greifbar werden.
Aller Düsterheit des Sujets zum Trotz ist „Omoiyari“ unglaublich zart. Nicht nur das verspielt kreisende „F Delano“ trotzt der Dunkelheit der Geschichte: Das Pizzicato mit dem „Marigolds“ beginnt, die verträumten Gitarren und Gesänge auf „Penny Rabbit & Summer Bear“ und der fröhlich schunkelnde Closer-Track „Annie, Heart Thief of the Sea“ – allerorts scheint „Omoiyari“ ebenso durchdrungen von Schönheit wie von Schmerz. Ab und zu durchzieht Dunkelheit die filigranen Netze, die Kaoru Ishibashi webt, viel häufiger noch deutet er die Dunkelheit an. Und dennoch klingen diese Stücke so, als würden sie allem Übel zum Trotz etwas feiern.
So finden diese disparaten Stimmungen zueinander; sie sind einander verpflichtet und bedingen sich. Im Trailer zu seinem Projekt sagt Kaoru Ishibashi „Why do we write songs? I believe we write songs to celebrate.“ „Omoiyari“ feiert das, was Ishibashi auf seiner Reise gefunden hat: die Verbindungen mit denen, die Unglaubliches erlitten haben, und die Tatsache, dass sie dennoch zu Glück und Nähe fähig sind. So heißt es in „Theme from Jerome (Forgotten Words)“ „There was a girl / She fell in love / And on the sundried Land they settled in and started again / And when they sleep she’d sing this melody to her beloved sons / Forgotten words from Japan“.























































