Die Stille vor dem Ton
Von Stefan Grüll
Henning Fuchs war an der Grenze seiner Belastbarkeit. Jetzt massiert der Pianist die Nerven der Zuhörer.
In seinen Kompositionen schlägt der Komponist Henning Fuchs eine Brücke zwischen alt und neu, indem er kammermusikalische Besetzungen mit elektronischen Elementen, Field-Recordings und einem zeitgemäßen Sounddesign verbindet. Nach neun Jahren erscheint mit „A new Beginning“ nun ein neues Album des aus der Eifel stammenden und nun in Berlin lebenden Komponisten. Der von Fuchs proklamierte Neuanfang im Titel des Albums wirkt schon wegen dieser langen Veröffentlichungspause passend, spiegelt sich aber auch konzeptionell in den Kompositionen wieder. „Ich habe die Einsamkeit und die Stille der Natur gesucht, um mich auf den Neubeginn vorzubereiten“, sagt Fuchs rückblickend über die Entstehung seines Albums. Die Stücke auf „A new Beginning“ zeichnen dieses Gefühl nach, indem sie sich wie Gedanken langsam aus der Stille heraus entfalten und vereinzelt als thematische Ideen entwickeln.
Nach und nach verdichten sich die Kompositionen in einer Weise, dass sie in jeder ihrer Bewegungen einem Moment auf der Kinoleinwand nachzuspüren scheinen. Der Vergleich mit der Filmmusik ist bei Fuchs naheliegend: Von 2008 bis 2012 studierte er an der renommierten Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam, komponierte für das Filmorchester Babelsberg und arbeitete anschließend gemeinsam mit anderen Komponisten an der Musik zu Filmen wie Wim Winders „Everything will be fine“ und Ai Weiweis „Human Flow“. Zeitgleich arbeitete Fuchs mit Max Richter zusammen und assistierte ihm bei der Entwicklung von Instrumental-, Tanz- und Filmmusiken. Die Intensität all dieser Kooperationen ging nicht spurlos an Fuchs vorbei: Während der Zusammenarbeit mit Max Richter stieß er zunehmend an die Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit. Man hat Fuchs zur Meditation geraten – was er fand, war die Stille.
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