Shalosh: Jazz ist anders
Interview Jan Paersch
Bei Shalosh ist Jazz kein bisschen elitär – stattdessen bereitet ihn das Trio für Metalfestivals, Fußballstadien und die Dusche auf.
kulturnews: Gadi, es hat sich einiges bei Shalosh geändert, seit ihr 2016 euer bis dato letztes Album veröffentlicht habt: Unter anderem hat euer Bassist Daniel die Band verlassen, weil ihm der Tourstress zu viel wurde.
Gadi Stern: Es gab schon ein gewisses Drama. Die letzten Jahre waren sehr intensiv, wir waren ständig unterwegs. Wir haben sogar diskutiert, ob wir überhaupt weitermachen können – dann aber nicht weiter drüber nachgedacht, einfach Gas gegeben und jeden Gig gespielt, den wir kriegen konnten. Unser neues Album heißt „Onwards and upwards“: Der Titel bezieht sich auf die Songs und den Verlauf des Lebens im Allgemeinen, aber er fasst auch die Geschichte unserer Band zusammen.
kulturnews: Shalosh ist ein Trio, das Coversongs liebt. Schon zuvor habt ihr mit „Don’t you want me“ von The Human League einen eher als trashig verschrienen 80er-Song auf einem Album gehabt – und nun also „Take on Me” von a-ha!
Stern: Wir sind ja eigentlich Kinder der 90er-Jahre, so heißt auch einer der neuen Songs: „Children of the 90s“. Aber die späten 80er und frühen 90er gehören ja irgendwie zusammen, die waren so eine Art Bad-Taste-Mashup. Und „Take on Me” ist großartig! Der ultimative Dusch-Song! Er war einfach zu covern, wir haben ihm schnell eine eigene Note geben können. Jazzbands nehmen sich immer so wahnsinnig ernst, und natürlich ist die Musik auch für uns wichtig – aber wir wollten das mit etwas mehr Humor angehen.
kulturnews: Und warum habt ihr den in Deutschland sehr bekannten Stadion-Mitgröler „You’ll never walk alone“ gecovert?
Stern: Wenn du wüsstest, was wir alles spielen! Wir covern sogar „Torn“ von Natalie Imbruglia! (lacht) Mit „You’ll never walk alone“ ist es eine andere Geschichte, das ist schon fast ein Jazzstandard. Ich habe es vor ein paar Jahren zum ersten Mal gehört, und es hat mich umgehauen. Ich habe ein Spiel des FC Liverpool gesehen, mir dann im Netz eine Version rausgesucht und sie gleich 20 Mal hintereinander gehört. Eine Hymne, die es 40 000 Menschen ermöglicht, zusammen zu singen – die muss einfach verdammt gut sein. Wir lieben Songs, die rhythmisch und harmonisch explodieren!
kulturnews: Shalosh spielt auch nicht einfach Jazz, ich höre da immer eine gewisse Rock-Attitüde heraus. Richtig?
Stern: Klar! Während des Purim-Festes, bei dem sich alle verkleiden wie an Halloween, hat man uns für ein Metal-Festival gebucht. Das war ein Traum für mich: Wir haben mit voller Verzerrung gespielt und ins Mikro gebrüllt. Als mein Keyboard-Ständer zusammengebrochen ist, habe ich mir gedacht: Das ist meine Kurt-Cobain-Chance. Ich bin also ins Drumkit gesprungen und habe alles umgetreten. Matan, unser Schlagzeuger, war aber gar nicht sauer – er hat die Referenz gleich verstanden.
Das Album „Onwars and Upwards“ hier bei Amazon vorbestellen.























































