Speedy Wunderground: Year 4 – Der Sampler im Plattenchat
Auflegen oder aufregen? Die Musikredaktion hat sich mal wieder die Köpfe heißgeredet. Dieses Mal geht es um den Sampler des Labels Speedy Wunderground.
Die Musikredaktion ist sich eigentlich nur in einer einzigen Sache einig: Ohne Musik geht es nicht. Aber schon bei der Frage, welche Musik es denn bitte sein soll, fliegen (manchmal) die Fetzen. Zumindest, wenn Michael, Carsten und Mitja sowie ein monatlich wechselnder Gasthörer sich zum Plattenchat treffen … dieses Mal geht es um den Sampler des Südlondoner Labels Speedy Wunderground.
Estuar: Spitzenmäßig! Geht herrlich destruktiv nach vorne. Erstaunlich, wie homogen der Stil des Labels ist, könnte zum Teil eine Band sein, insbesondere in Bezug auf die manisch-proklamierenden Gesangsattitüden. Übertreibung, die nicht lächerlich ist. Generell schwierig, hier aber gelungen.
Carsten: Black Midi sind für mich die Newcomer des Jahres, und sowohl von Black Country, New Road als auch von Squid darf man nach ihren Sampler-Beiträgen ebenfalls Großtaten erwarten. Trotzdem sollte man das von Dan Carey mitgegründete 7“-Label nicht in den Himmel heben: Tiña oder auch Treeboy & Arc spielen sehr guten, aber auch recht konventionellen Postpunk.
Verena: Also dafür, dass hier die besten Newcomer-Tracks aus UK versammelt sein sollen, klingt das alles ziemlich homogen oder schon längst da gewesen. Sinead O’Brien wirkt wie eine blasse Kopie von Kate Tempest, Tiña kommt nicht aus dem Käserei-Quark und Black Midi, ehrlich Carsten, was für ein uninspiriertes Endlos-Intro.
Mitja: Hab ja früher viel von Franz Ferdinand mitgenommen, deshalb catcht mich hier auch am ehesten die Kollabo von Frontmann Alex Kapranos mit All We Are. Auch Tiña passt noch in mein gemäßigtes Indieherz. Beim Rest verschreckt mich dann aber das Punkgeschrei.
VERENA REYGERS
stöhnt angesichts Sufi-Disse, lauwarmen Dirty-Projectors-Aufgüssen und UK-Newcomer-Langeweile. Würde nicht wenigstens King Princess ein bisschen Studio-54-meets-Nashville-Glitter reinbringen, sie würde ein Nickerchen auf der Couch dem nächsten Chat vorziehen.
MITJA STEFFENS
hofft, dass sich bei seiner anstehenden Heirat mit King Princess deren Labelboss Mark Ronson zu einem Ständchen hinreißen lässt. Wenn sich weitere Stargäste überzeugen lassen, wird vielleicht sogar sein Traum von einer einer Festivalhochzeit wahr.
CARSTEN SCHRADER
fühlt sich für den Dezember gut aufgestellt: Mit Johannes von Weizsäcker und seinen Chap-Kolleg*innen geht es an den Glühweinstand. Mit King Princess legt er sich gern unter den Baum, und mit der Speedy Wunderground-Clique lässt sich der Jahreswechsel sicher gut ignorieren.
GASTHÖRER
ESTUAR
haben gerade ihr zweites Album veröffentlicht, auf dem Helena und David zwischen Jazz, Elektro und Folk sowohl Innovation als auch wundersam eingängige Pop-Momente feiern. Auch das von David mitgegründete Label Randomfleet zieht kreativ mit: „The Beast within“ gibt es in Form von acht Postkarten mit Download-Code und als Kompaktkassette.
„Year 4“ erscheint am 6. 12.
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