Floating Points im Interview über sein neues Album „Crush“
Interview Carsten Schrader
Seit Jahren wartet die Elektrowelt auf das neue Album seines Projekts Floating Points – auf seinem neuen Album „Crush“ drückt Sam Shepherd jetzt nur einen einzigen Knopf.
Sam, eigentlich stelle ich mir dich als Künstler vor, der es genießt, als unberechenbar zu gelten, und der für das zweite Album ganz entspannt nach einem Ansatz gesucht hat, der ihn persönlich kickt. Aber mitunter wird diese Vorstellung von einer zweiten Vision gestört, weil eben doch nicht so leicht zu ignorieren war, was alles vor fünf Jahren mit deinem Debütalbum „Elaenia“ passiert ist. Hat es dich am Ende doch unter Druck gesetzt, dass nicht gerade wenige von „Crush“ ein Statement zur Zukunft der elektronischen Musik erwarten?
Sam Shepherd (lacht): Glücklicherweise kommt deine ursprüngliche Vision der Realität näher. Tatsächlich habe ich den Aufnahmeprozess sehr genossen. Wenn ich mich auf neue Musik einlasse, kann ich ich auch den Gedanken im Hintergrund halten, dass es ja ganz eigentlich gerade um ein Album oder irgendein anderes Format geht.
Nach der Vorabsingle „Les Alpx“ dachten viele, du würdest dich auf die Techno-Wurzeln deiner frühen 12-Inches rückbesinnen. Doch jetzt entpuppt sich „Crush“ als ein hochkomplexes Album, das auch die experimentellen Ansätze der letzten Jahre weiterverfolgt.
Shepherd: Nach „Les Alpx“ hätte man vielleicht tatsächlich ein Album erwarten können, das ausschließlich auf den Dancefloor zielt, aber schon „Last Bloom“ als zweite Single hat dieser Annahme ja widersprochen. Tatsächlich ging es mir um die Verzahnung der beiden Elemente.
Findest du es okay, wenn man deinen Kompositionen zu einem gewissen Grad auch ein akademisches Interesse unterstellt?
Shepherd: Technische Aspekte machen einen Großteil der Arbeit aus. Da ich viele antiquierte Synthesizer, Tape Machines und altmodische Ausrüstung verwende, bin ich viel mit langwierigen und auch extrem langweiligen Aufbauten beschäftigt. Mein Studio ist schon ein ziemlich obskures Reich – was aber auch daran liegt, dass ich unbedingt alles zusammenführen will. Wenn es ans Aufnehmen geht, will ich nur einen Knopf drücken müssen und dann keinen weiteren Gedanken an die Technik verschwenden. Ab diesem Moment will ich mich nur noch der Musik zuwenden.
Das ist dann auch die Erklärung, warum du für „Elaenia“ fünf Jahre gebraucht und „Crush“ in gerade mal fünf Wochen aufgenommen hast?
Shepherd: Während „Eleania“ habe ich ja noch studiert, und es war oft schwierig, sich intensiv einer Sache zu widmen. Für „Crush“ habe ich die technische Arbeit und den kreativen Prozess getrennt: Nach jahrelangen Klangforschungen waren die eigentlichen Kompositionen dann innerhalb von fünf Wochen im Kasten.
Der Albumtitel lässt einen politischen Bezug vermuten, zumal die Songs mitunter sehr bedrohlich klingen und mit unheimlichen Momenten durchsetzt sind.
Shepherd: Tatsächlich habe ich noch nie so intensiv die Nachrichten verfolgt wie in den letzten Monaten. Mitunter schaue ich mir sogar die Diskussionen des House of Commons an, weil ich es nicht fassen kann, wie wir uns in Großbritannien immer mehr isolieren. Aber ich werde auch wütend, wenn ich den Rechtsruck in den anderen europäischen Ländern oder die Entwicklungen in den USA verfolge. Diese Wut und auch eine gewisse Traurigkeit lassen sich auf dem Album ganz sicher ausmachen.
Der Track „Anasickmodular“ fängt sogar den Kontrollverlust ein.
Shephard (lacht): Das war wirklich ein Unfall. Eigentlich hatte ich alles an einer Leine: Synths, Electronics, Drum Machine. Doch als ich die Leine mal ein bisschen locker gelassen habe, ging plötzlich eine Schlacht los. Sie haben sich gegenseitig angegriffen, und ich schiebe es tatsächlich auf meine Wut, dass ich sie habe machen lassen.
„Crush“ erscheint am 18. Oktober. Hier könnt ihr das Album bei Amazon bestellen.























































